Generikakonzern Spezialist für Diabetes?

Actavis will als Generikakonzern Spezialist für Diabetiker werden.
Actavis will künftig den Krankenkassen alles für Diabetiker Typ 1 und Typ 2 anbieten: von
Metformin bis zu Analoginsulinen.

Actavis sieht die Krankenkassen als Zielgruppe an. Actavis geht wohl davon aus, dass der Arzt bei Verordnung von Medikamenten eine geringere Rolle als die Krankenkasse spielt.

Bestimmt künftig die Krankenkasse dann via Mehrwertverträge auch über das Insulin, das der Patient erhält?- über die Beschlüsse des G-BA hinaus-

Muss dann ein Diabetiker, der von seiner Krankenkasse wegen erhöhter Zusatzbeiträge zu einer anderen, billigeren Krankenkasse wechselt (als z.B. Hartz-IV-Empfänger vielleicht sogar mehrfach, wenn die neue Krankenkasse plötzlich noch höhere Zusatzbeiträge erhebt als die erste) damit rechnen, dass er jedesmal auf ein anderes Insulin umgestellt wird? (Man erinnere sich an die StVO:
Das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges setzt einen stabil eingestellten Diabetes voraus, und wie der Jurist die Sache sieht: Eine Neueinstellung eines Diabetes oder eine Umstellung einer laufenden Therapie spricht gegen eine stabile Stoffwechsellage.)

Aus dem Kommentar eines Patienten:
Der Arzt ist zum Wirkstoffverordner degradiert; wie das heißt, wie das wirkt, welche Packungsgrößen hiervon gängig ( lieferbar ) sind, ob es dem Patienten zusagt oder von ihm vertragen wird - wen kümmert es ????
Die Medizin (Medikament) wird angeblich immer spezieller und feiner wirksam - aber der Patient bekommt den Einheitsbrei seiner Kasse, die, heute so, morgen ganz anders ihre Rabattverträge platzieren kann. …… - und den Rest des Jahres darf er wegen Neueinstellung auf anderes Insulin weder autofahren, noch ist er als Arbeitskraft einsetzbar ... Prima Status-Verfestigung

(München, 28.Januar 2011 – P.Bottermann)

Ähnliches haben wir ja schon beiden Generika-Blutzuckertestreifen
(siehe bei Aut idem für BZ-Teststreifen unter Mitteilungen der FKDB und
bei BZ-Teststreifen unter Informationen für Betroffene).
Klicken Sie unter der Rubrik Kuriosa auch mal auf Schilda.

Hintergrund sind Berichte unter
http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Markt/13654.html,
die Sie auch nachfolgend lesen können.



Actavis will Diabetes-Spezialist werden

Berlin  -  Actavis-Chef Dr. Claudio Albrecht will den isländischen-schweizerischen Generikakonzern zum Komplettanbieter für die Diabetiker-Versorgung machen. „In wenigen Jahren werden wir die gesamte generische Palette abdecken und dann mit einem kompletten Behandlungsprogramm an die Krankenkassen herantreten“, sagt der ehemalige Ratiopharm-Chef, der im vergangenen Sommer die Führung bei Actavis übernommen hat.

Bislang hat Actavis in Deutschland nur Metformin und Glimepirid auf dem Markt; den Sulfonylharnstoff produzieren die Isländer auch für Stada/Aliud und AAA Pharma. Der Ausbau des Portfolios läuft auf Hochtouren: Ende Dezember erhielt der Konzern für mehrere europäische Länder die Zulassung für Repaglinid. Im Bereich der Glitazone arbeitet Actavis laut Albrecht ebenfalls an einem eigenen Generikum. „Wir sind auch stolz, die neue Klasse der Gliptine und Kombinationen mit Metformin in der Pipeline zu haben.“

Weil aber bis zu drei Viertel aller Diabetiker Insulin benötigen, will Albrecht auch in diesen Markt einsteigen. „Actavis will sich im Bereich der Diabetes-Anbieter deutlich von den Mitbewerbern unterscheiden und einen One-Stop-Shop anbieten, also eine umfassende Produktpalette aus einer Hand.“ Parallel laufen daher Gespräche über eine Zusammenarbeit mit dem polnischen Insulinhersteller Bioton. Neben Humaninsulin, das Bioton mithilfe rekombinanter Zellkulturen herstellt, will der Actavis-Chef auch zwei eigene Analoginsuline auf den Markt bringen. „Das Konzept für die Zellbank steht. Wir werden 2012 unsere Zulassungsanträge einreichen und hoffentlich 2015 die ersten Produkte auf den Markt bringen.“

Bioton ist bislang vor allem außerhalb der EU aktiv. Daher müssen laut Albrecht auch für die bestehenden Produkte komplett neue Dossiers eingereicht werden. „Wir wollen in der Lage sein, Länder weltweit zu beliefern, und haben bereits Gespräche mit der EMA, der FDA und der japanischen Arzneimittelagentur aufgenommen.“

Mit den Krankenkassen hat Albrecht noch nicht gesprochen. Der Actavis-Chef hat aber keine Zweifel, dass sein Konzept überzeugen wird: „Der Vorteil wird sein, dass wir mit unserem kompletten Portfolio sowohl Typ-I- als auch Typ-II-Diabetiker rundum versorgen können. Dadurch können wir die Kosten deutlich reduzieren und den Kassen Risk-sharing-Verträge anbieten.“

Mit dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) wurde die Rechtsgrundlage für Mehrwert-, Risk- und Cost-Sharing-Verträge geschaffen, bei denen sich es um modifizierte Rabattverträge handelt. Dabei können die Kassen mit den Herstellern vereinbaren, dass die zu leistenden Rabatte nach Menge gestaffelt werden oder dass sie bei einem jährlichen Umsatzvolumen einen Ausgleich für Mehrerlöse erhalten. Zudem kann die Erstattung vom messbaren Therapieerfolg abhängig gemacht werden.
Patrick Hollstein, Montag, 24. Januar 2011, 16:49 Uhr

Actavis will Insulin vertreiben

Berlin  -  Für große Insulinhersteller wie Sanofi-Aventis, Novo Nordisk, Lilly oder Berlin Chemie könnte es in Zukunft ungemütlicher werden. Obwohl die Phantasien der Branche in den vergangenen Jahren an Farbe verloren haben, arbeiten Firmen weltweit an eigenen Varianten und Vertriebskonzepten für das Hormon. Auch der Generikakonzern Actavis will Diabetiker versorgen.

Der bei der Deutschen Bank hochverschuldete Hersteller aus Island prüft derzeit ein Joint Venture mit dem polnischen Biotechunternehmen Bioton: Die beiden Firmen wollen gemeinsam Insuline auf die internalionen Märkte bringen; Bioton soll dabei für Entwicklung, Zulassung und Produktion zuständig sein, Actavis für Marketing und Vertrieb.

Bis zum Jahresende darf Actavis bei Bioton in die Bücher sehen. Sollte die Zusammenarbeit zustande kommen, zahlen die Isländer und ihre Investoren eine erste Tranche von umgerechnet 130 Millionen Euro. Und die könnte Bioton gut gebrauchen. Im vergangenen Jahr wies das in den 1990er Jahren gegründete Unternehmen einen Fehlbetrag von umgerechnet 150 Millionen Euro aus – bei einem Umsatz von 72 Millionen Euro.

Ein Viertel der Erlöse stammt aus dem Geschäft mit Insulinen. Bioton vertreibt seine Produkte in Polen, Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sowie in Indien und China. Das Unternehmen gehört heute zum Imperium des polnischen EDV- und Ölmilliardärs Ryszard Krauze.

Die neuerliche Annäherung – Actavis prüft bereits seit einigen Wochen den Einstieg bei der schweizerischen Bioton-Tochter BioPartners – kommt nicht von ungefähr: Bis vor kurzem saß der neue Actavis-Chef Dr. Claudio Albrecht bei Bioton im Aufsichtsrat. Gut möglich also, dass aus der Zusammenarbeit mehr wird.

Actavis will die Produkte seines potenziellen Partners weltweit verteiben, Zulassungen sollen bis 2012 in Europa, den USA und Japan beantragt werden. In Deutschland hat Actavis bislang nur die Antidiabetika Glimepirid-Isis und Metformin-Puren im Sortiment. In der Branche gilt es als außerordentlich schwierig, bei den Fachärzten Fuß zu fassen. So hat Ratiopharm sein Insulin, das vor einigen Jahren in Kooperation mit B. Braun vertrieben wurde, mittlerweile vom Markt genommen. „Wir stehen heute da, wo chemische Generika vor 30 Jahren standen“, sagt ein Branchenkenner.

Für Actavis gäbe es immerhin eine ganze Reihe möglicher Märkte. Der Konzern ist in 40 Ländern aktiv. Ausgerechnet China kommt aber vielleicht nicht in Frage: Erst im Juli 2009 hatte Bioton mit Bayer einen Kooperationsvertrag über den Vertrieb von Insulinen in der Volksrepublik geschlossen. In den kommenden 15 Jahren sollen so Umsätze zwischen 1,5 und 2 Milliarden Dollar generiert werden.

Patrick Hollstein, Dienstag, 16. November 2010, 19:18 Uhr